Die Kriegserklärung der USA gegen die Dieseltechnologie im letzten Jahr hatten die Volkswagenmanager in ihrem US-Werk gar nicht mitbekommen. Glaubte man damals doch naiver Weise, die amerikanische Aufsichtsbehörde kritisiere die Erfassung von Abgasmesswerten bei Kraftfahrzeugen allgemein und wolle diese nun bei allen Herstellern unter die Lupe nehmen und eventuell verschärfen. Dementsprechend reagierte bei VW weder die Führungsebene in den USA noch in Wolfsburg. Das in diesen Tagen folgende Desaster hat den Autogiganten deshalb kalt erwischt.

Hintergrund der Anti-VW-Kampagne ist der Siegeszug der Dieseltechnologie der letzten Jahrzehnte in Europa. Im PKW-Bereich hat sich der Dieselanteil allein in Deutschland auf über 50% in 2013 gesteigert. Tendenz zunehmend. Die langlebigen Motoren, der geringere Spritpreis (trotz Steuerzuschlags) und die erhebliche Leistungssteigerung haben den ehemaligen Bauern Rolls Royce zum Edelantrieb werden lassen. Mit dem Passat CleanDiesel wollte Volkswagen deshalb den Erfolgsmotor auch in den USA etablieren. Denn bis jetzt ist der Marktanteil des Diesels in Nordamerika mit max. 3 Prozent sehr gering. Bei General Motors, Ford und Chrysler schrillten die Alarmglocken. Die heimischen Kontrollbehörden mussten ran und leisteten mit dem jetzigen Ermittlungsverfahren gegen Volkswagen ganze Arbeit. Wie gezielt der deutsche Autobauer auf´s Korn genommen wurde, zeigen die angedrohten exorbitanten Strafzahlungen in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Nachdem 174 amerikanische Autofahrer durch ein defektes Zündschloss tödlich verunglückt waren, wurde der US-Konzern General Motors zu einer Strafzahlung von 900 Millionen Dollar verurteilt. Damals eine Rekordsumme. Was sind diese Todesopfer gegen eine Abgasüberschreitung.

In Berlin, wie in Hannover kennt man die Hintergründe längst. Auch weiß man dort, dass alle Hersteller ihre Messwerte optimiert haben. Nicht zuletzt, um eine durchaus realistische Durchschnittsbelastung an Stickoxyden zu ermitteln. Doch kein Wort der Kanzlerin, kein Wort des niedersächsischen Regierungschefs Weil. Anstatt sich vor VW und seine 600.000 Mitarbeiter zu stellen, fielen die deutsche Bundes- wie die niedersächsische Landesregierung in das amerikanische Klagelied mit ein.

Kommentarlos nimmt man hin, dass der Konzern für eine Lappalie mit bis zu 60 Milliarden Euro belastet und damit an den Rand des Ruins gebracht wird. Wo sind die Gewerkschaftsvertreter von VW, die sonst zu jedem Thema etwas zu sagen haben? Wer stellt sich vor die Belegschaft des Konzerns?

Das unbeteiligte Chorknabengesicht des nichts tuenden Provinzlers Weil (immerhin zu 20% Mitinhaber von VW) mag eine Sache sein, die Sprachlosigkeit Merkels ist ein Skandal, der nur noch durch ihr unseliges Wirken in der Asylkrise übertroffen wird. Berlin und Hannover müssen jetzt handeln. Nach der Deutschen- und der Commerzbank ist mit Volkswagen die nächste Säule der deutschen Wirtschaft durch US-Manipulationen stark beschädigt worden. Wie lange will man sich dies noch in Berlin anschauen.

Wohlgemerkt – natürlich müssen die nationalen Aufsichtsbehörden ihren Job machen, Missstände aufdecken und abstellen. Wenn allerdings nur die deutschen Verursacher zu solch gigantischen Strafen verurteilt werden, dann zeigt dies die eigentliche Stoßrichtung und Absicht. Wer sich dann nach erfolgreichem Abschluss der TTIP-Verhandlungen in solche Hände begibt, der sei nur noch Gottes Gnade anbefohlen. Von den irdischen Kräften a la Mutti oder Weil ist keine Hilfe zu erwarten.

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